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Brockhaus
Name a a priori
ID b brhe•e15•r01•v01•b•A•a_priori
Category c entry
Attributes
PageID w pag571
Text α

Der Große Brockhaus (15. Aufl.), Originalausgabe, Erster Band A—Ast (1928), S. 571.

a priọri [lat. ʻvom Früheren’, ʻvon vornherein’], besondere erkenntnistheoret. [*Erkenntnistheorie*] Bezeichnung für diejenigen Erkenntnis [*Erkenntnis|1*]voraussetzungen, Begriff und Grundsätze, die nicht aus der Erfahrung stammen und unabhängig von ihr einsichtig [*Einsicht*] oder gültig sind. Das Wissen [*Wissen•A*] um Erkenntisse [*Erkenntnis|1*] a p. (Apriorisches) wird zwar bei der Tätigkeit des Erkennens [*Erkennen|1*] oder Wahrnehmens [*Wahrnehmung*] gewonnen, aber nicht dadurch begründet; es stellt die im Wesen [*Wesen|2*] der Vernunft [*Wesen|2*] liegenden Bedingungen des Erkennens [*Erkennen|1*] dar. Alle Erkenntisse [*Erkenntnis|1*], die damit begründet werden, daß sie sich als durch Erfahrung gewonnene ausweisen, werden Erkenntisse [*Erkenntnis|1*] a posteriori, d. i. ʻaus dem Späteren’, genannt. Die entscheidende Klärung des Sachverhaltes und Begriffes hat Kant gegeben. Nach Kant bedingen [*Bedingung*] die Erkenntisse [*Erkenntnis|1*] a p. die Form [*Form|1*], in der die Erfahrungen gemacht werden können; sie ermöglichen sie also erst. Dies bedeutet nicht, daß sie der Erfahrung zeitlich vorausgehen, sondern daß ihre logische [*Logik*] Gültigkeit unabhängig von der Erfahrung ist. Nach Kant sind apriorisch die → Kategorien, die → Ideen, ferner alles durch analytische Urteile [*Urteil|1*] aus Begriffen Geschöpfte und das in der Gesetzlichkeit der Vernunft selbst Wurzelnde. Kant ist nun der Meinung, daß auch → Synthetische Urteile a p. möglich sind, d. h. Urteile, deren zur Einheit gefügte Mannigfaltigkeit apriorischer Natur ist, wie z. B. die Erkenntnisse [*Erkenntnis|1*] von Raum und Zeit [*Zeit|1*]; darauf sollen sich apriorische, also allgemeingültige und notwendige Grundsätze für einige Wissenschaften gründen, z. B. für die Mathematik. Die Möglichkeit solcher Grundsätze wird aber stark umstritten, bes. von den Gegnern des Apriorismus, der Lehre von dem a p. Oft wird unter a p. fälschlich auch das zeitlich [*Zeit|1*] Vorangehende, das Angeborene verstanden [*Verstehen*], was vielfach zur Verwirrung des Begriffes beigetragen hat. Das kantische [*Kant*] a p. ist auch oft als der urspr. psychol. [*Psychologie*] Vernunftbesitz [*Vernunft|2*] gedeutet worden (so von Fries [*Fries•B|7*]); auf dieser durchaus unkantischen [*Kant*] Grundlage hat man unter a p. allgemeine und notwendige Grundanlagen [*Anlage|1*] des Menschen verstanden [*Verstehen*] und dann von einem Rechtsapriori oder einem soziologischen [*Soziologie*] oder → Religiösen Apriori gesprochen. Ohne Rücksicht auf den besonderen Sinn des a p. wird a p. im allgem. Sprachgebrauch vielfach zur Bezeichnung der Tatsache, daß man einer Untersuchung einen allgem., noch nicht begründeten Satz [*Satz|4*] vorangehen lassen will, gebraucht.

Relatives
Wikipedia E de: A priori | en: A priori and a posteriori | fr: A priori et a posteriori

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