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Brockhaus
Name a Atlasgebirge
ID b brhe•e15•r01•v02•b•A•Atlasgebirge
Category c entry
Attributes
PageID w pag022
EntryType y Gebirge
Text α

Der Große Brockhaus (15. Aufl.), Originalausgabe, Zweiter Band Asu—Bla (1929), S. 22.

Ạtlasgebirge, Faltengebirge von rund 750 000 qkm Fläche (Karte 93), dessen Natur und Bewohner mehr an Südeuropa als an Afrika erinnern. Man hat früher meist nur zwei Hauptketten angenommen, eine der Küste folgende und eine den Rand der Sahara begleitende, beide durch eine langgestreckte Senke getrennt; erwies sich auch der Gebirgsbau [*Gebirge*] bei fortschreitender Forschung etwas komplizierter, so lehnt sich doch auch heute noch die Gliederung der Hauptzüge in ihrer grundlegenden Dreiteilung, in Tellatlas im N, Hochplateau [*Hochebene*] in der Mitte und Saharaatlas im S, der alten Auffassung stark an. Dabei ist der Hohe Atlas in Marokko (bis 4500 m) nebst seiner südl. Abzweigung, dem Antiatlas, als westl. Fortsetzung des Saharaatlas aufzufassen; die sehr wenig bekannte Rifkette wird tektonisch als ein abgetrennter Teil der südspan. Gebirge, also nur als dem eigentl. Atlas nördl. angegliedertes Fremdgebilde aufgefaßt. Das ganze Atlasgebiet wurde im Spätmiozän und Pliozän von einer nach S gerichteten Faltung betroffen. Der Hauptzug ist der Tellatlas (im Dschurdschura bis 2300 m hoch) mit seiner westl. Fortsetzung, dem wenig erforschten [*Afrika|10)_Entdeckungsgeschichte*] Mittleren Atlas. Er wird südl. begrenzt von einem starren Horst, dem bes. in Algerien entwickelten Hochlande der Schotts (meist über 600 m hoch), dessen Jura- und Kreideschichten auf einem Sockel archäischer Steine auflagern. Dieser Horst nun wurde offenbar nach S bewegt, wobei er den Saharaatlas (in Algerien bis 2330 m hoch) vor dem Widerlager der starren Kreidescholle auffaltete. — Klimatisch gehört das ganze Gebirgsland noch dem Etesien- (Mittelmeer-) Klima mit passatischer Trockenheit im Sommer und Winterregen an; aber nur die dem Atlant. Ozean und dem Mittelmeer zugewandte Seite zeigt in etwa 100 km breitem Streifen maritimen Typus mit Niederschlägen bis zu 1700 mm jährlich. Dementsprechend gibt es hier stellenweise üppigen, immergrünen Wald und Gebüsch (Macchien); das Hinterland, mit rasch auf 200 mm und darunter abnehmenden Niederschlag, ist trockne bis wüstenhafte Steppe. Die Hochregionen des schneebedeckten Hohen Atlas sind wieder feuchter. Rund 39 % des Gesamtareals sind Wald-, Busch- und Kulturland, rund 60 % Steppe bis Wüste. 36 % des Atlasgebiets sind ohne Abfluß zum Meer, bes. die Trockenplateaus der Schotts.

Diesen Naturbedingungen angepaßt, herrscht im küstennäheren Gebiet flächenhafter Anbau von Getreide, Wein, Obst, Oliven u. a., teilweise, bes. in Algerien, durch Berieselung unterstützt; in den Bergwäldern wird bes. Kork gewonnen. Das Innere ist überwiegend ein Gebiet der Schaf- und Ziegenzucht; am Rande der Sahara erlauben allmählich versickernde Bergwasser, Quellen und Grundwasserströme noch Anlage von Dattelpalmoasen. Das Halfagras der Steppen, früher zu allerhand Flechtwerk verarbeitet, dient heute zur Papiererzeugung, und von den Bodenschätzen werden bes. Zink- und Eisenerze und reiche Phosphatlager im alger.-tunes. Grenzgebiet ausgebeutet.

Die eingeborenen Bewohner blieben, zumal im Schutz der unzugänglichen Gebirgsteile, ziemlich reine Berber, und nur in den Küstenstädten und im offeneren Tunesien haben sie viel Fremdelemente aufgenommen.

References δ
≡references
Relatives
MapEntries A Hoher Atlas
Maps B Der Große Brockhaus, 15. Aufl., Bd. 12 (1932), Karte 93. Nordwestafrika., Hoher Atlas
Encyclopediae D Meyers Konversations-Lexikon (1888)
Wikipedia E de: Hoher Atlas | en: High Atlas | fr: Haut Atlas | ar: الأطلس الكبير

Requested by 54.235.48.106 at 2018-11-21 07:08:54 Europe/Berlin.

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