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Brockhaus
Name a Gewohnheitsrecht
ID b brhe•e15•r01•v07•b•G•Gewohnheitsrecht
Category c entry
Attributes
PageID w pag329
Text α

Der Große Brockhaus (15. Aufl.), Originalausgabe, Siebenter Band Gas—Gz (1930), S. 329.

Gewohnheitsrecht, dasjenige Recht, das die aus der Rechtsüberzeugung einer Gemeinschaft hervorgegangenen, durch gleichförmige [*Gleichförmigkeit|1*] Übung kundgegebenen Rechtssätze umfaßt. Das G. unterscheidet sich vom gewillkürten [*Willkür*] Recht und von den → Geschäftsgebräuchen (Usancen). Die privatrechtl. [*Privatrecht*] Gesetzbücher haben im Interesse der Rechtssicherheit die Kraft des Gewohnheitsrechts als Rechtsquelle beschränkt. Der Entwurf des deutschen [*Deutsch•A*] BGB. wollte das G. nur gelten [*Geltung*] lassen, soweit das Gesetz [*Gesetz|3*] auf solches verweist. Diese Bestimmung ist gestrichen worden, woraus gefolgert wird, daß auf dem Boden des reichsrechtlich [*Reichsrecht|2*] geordneten Privatrechts sich G., und zwar sogar gegen das Gesetz [*Gesetz|3*] bilden kann. Im Strafrecht kann durch längere Nichtanwendung eines Gesetzes [*Gesetz|3*] eine bestehende Strafbestimmung aufgehoben werden (desuetudo).

Das österreichische [*Österreich*] allgem. BGB [*Allgemeines_Bürgerliches_Gesetzbuch_für_Österreich*] verleiht dem G. nur Geltung, soweit es das Gesetz [*Gesetz|3*] zuläßt (§ 10).

Das schweizerische Zivilgesetzbuch [*Schweizerisches_Zivilgesetzbuch*] weist den Richter [*Richter•A*] an, beim Mangel gesetzl. [*Gesetz|3*] Vorschriften nach G. zu entscheiden [*Entscheidung*], läßt dessen Berücksichtigung also nur neben dem Gesetz [*Gesetz|3*], nicht aber gegen dieses zu (§ 1 Abs. 2).

References δ
Brie: Die Lehre vom G. (Tl. 1, 1899); Dernburg [*Dernburg|3*]: Das bürgerl. Recht (6 Bde. u. 9 Ergänzungsbde., 1.—4. Aufl. 1903—27).
Relatives
Wikipedia E de: Gewohnheitsrecht | en: Custom (law) | fr: Coutume

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