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Brockhaus
Name a Tanger
ID b brhe•e15•r01•v18•b•T•Tanger
Category c entry
Attributes
PageID w pag447
EntryType y Hafenstadt
Text α

Der Große Brockhaus (15. Aufl.), Originalausgabe, Achtzehnter Band Spy—Tot (1934), S. 447.

Tạnger, arab. Tạnschda, internationalisiertes Gebiet an der Küste von Marokko am westl. Eingang der Straße von Gibraltar (Karte 115a ①), umfaßt 380 qkm mit etwa 70 000 E.

[*illustration>Tanger: Lageplan.*]

Die Hafenstadt [*Hafen*] T. liegt amphitheatralisch am Hang eines 70 m hohen Kalkhügels an einer flachen Bucht und hat etwa 50 000 E., davon 30 000 Mohammedaner, 10 000 Israeliten und 10 000 Europäer, meist Spanier, daneben Franzosen.

[*illustration>Tanger: Hafen und Kasba vom Leuchturm aus.*]

Unmittelbar am Hafen, der durch eine 250 m lange Mole geschützt ist, steigt die ummauerte Araberstadt mit der beherrschenden Kasba (Burg) und dem alten Sultanspalast sowie buntbelebten Marktplätzen an. Im W erhebt sich das Plateau [*Hochebene*] Marschān, südlich anschließend ein 325 m hohes Bergland, beide mit Anlagen und zahlreichen vornehmen priv. und öffentl. Gebäuden bedeckt. Im S und SO der Altstadt erstreckt sich weitläufig die Europäerstadt mit den europ. Gesandschaftsgebäuden, Schulen, Banken und dem Bahnhof der Linie nach Fes. T. hat rege einheim. und europ. Gewerbe und ist vor allem dank seiner günstigen Lage trotz der polit. Sonderstellung, die seine Entwicklung hinderte, einer der bedeutendsten Hafen- und Handelsplätze Marokkos. Sein Hafenverkehr, erst neuerdings von Casablanca übertroffen, betrug (1930) 1426 Schiffe mit 1,67 Mill. Reg.-T. Hauptausfuhrwaren sind Eier, Ziegen- und Rinderhäute, Fische und Geflügel. Die bedeutend stärkere Einfuhr umfaßt besonders Nahrungs-, Genußmittel, Industriewaren. Hauptverkehrsländer sind Frankreich, Spanien, Großbritannien [*Großbritannien_und_Nordirland*].

Staatsrechtliche Stellung. Das Tangerstatut vom 18. Dezember 1923 hat die Gemeinherrschaft Frankreichs, Großbritanniens [*Großbritannien_und_Nordirland*] und [*Spaniens*] mit dem Sultan von Marokko geregelt (abgeändert beim Beitritt Italiens am 25. Juli 1928). T. ist danach ein autonomes Gebiet unter der Herrschaft des marokk. Sultans, der seine Eingeborenenverwaltung und -rechtspflege durch seinen Stellvertreter, den Mendūb, beaufsichtigen läßt, und die allg. Verwaltung den vier europ. Mächten gemeinsam übertragen hat. Da der Sultan selbst wieder unter franz. Schutz steht, wird T. diplomatisch von der franz. Regierung vertreten. Der Mendūb leitet die Gesetzgebende Versammlung (Assemblée législative internationale), die 27 Mitglieder zählt, und ernennt deren eingeborene Mitglieder (6 Mohammedaner, 3 Juden); die weiteren Mitglieder sind je 4 Franzosen und Spanier, je 3 Engländer und Italiener, je ein Belgier, Niederländer, Nordamerikaner und Portugiese. Die Gesetzgebende Versammlung ist in wichtigen Angelegenheiten beschränkt durch das Zustimmungsrecht des Kontrollausschusses (Comité de contrôle), der aus den in T. ansässigen Konsuln der 8 ausl. Mächte besteht. Die allgem. Verwaltung wird von den durch die Gesetzgebende Versammlung gewählten 4 Administratoren (franz. Vorsitzender, Spanier, Engländer, Italiener) geführt.

Geschichte. T., jedenfalls eine sehr alte Siedlung, das antike Tịngis (Karte 124, B 5), war in röm. Zeit unter Augustus eine freie Stadt, unter Claudius Kolonie und Hauptstadt der Prov. Tingitana. Dann von den Vandalen, Byzantinern, Arabern wechselweise erobert, war sie seit Anfang des 8. Jahrh. muslimisch, bis sie 1471 in die Hände der Portugiesen fiel. Als Brautschatz der mit Karl II. von England vermählten portug. Infantin Katharina von Bragança kam T. 1661 an die Engländer, die es 1684 aufgaben und beim Abzuge die Hauptbefestigungen zerstörten. Es wurde von den Marokkanern von neuem befestigt. 1790 beschoß eine span., 6. Aug. 1844 eine franz. Flotte die Stadt, worauf 10. Sept. der Friede von T. zwischen Frankreich und Marokko zustande kam. Am 31. Mai 1905 landete Kaiser Wilhelm II. in T. (→ Marokko, Geschichte). Der engl.-franz.-span. Vertrag v. 27. Nov. 1912, der als Lösung der Tangerfrage eine kleine internationale Zone schuf, wurde fortgeführt durch einen Vertrag dieser drei Mächte v. 18. Dez. 1923 (mit dem Statut für T.) und 1928 durch den Beitritt Italiens erweitert.

References δ
≡references
Relatives
MapEntries A Internat. Gebiet von Tanger
Maps B Der Große Brockhaus, 15. Aufl., Bd. 12 (1932), Karte 93. Nordwestafrika., Internat. Gebiet von Tanger
Encyclopediae D Meyers Konversations-Lexikon (1888)
Wikipedia E de: Internationale Zone von Tanger | en: Tangier International Zone | fr: Zone internationale de Tanger | ar: منطقة طنجة الدولية

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