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Brockhaus
Name a Alchymie
ID b brhe•edi01•rpr02•vol01•bbm•A•Alchymie
Category c entry
Attributes
PageID w pag0029
RawText α
Die Alchymie, die Wissenschaft der Verwandlung der Metalle. Ihr Zweck ist, zu zeigen, wie unedlere Metalle in edlere, Zinn in Silber und Silber in Gold könne verwandelt werden. Die Begierde nach dem Golde hat dieser Wissenschaft zu allen Zeiten Anhänger gemacht. Um ihrer Kunst Ansehen zu verschaffen, schrieben sie ihr ein hohes Alter zu; allein Gibbon sagt sehr richtig: „die alten Bücher über die Alchymie, welche so freigebig dem Pythagoras, dem Salomo oder dem Hermes zugeschrieben werden, sind bloß eine Erdichtung neuerer Adepten; die Griechen waren weder auf den Gebrauch noch auf den Mißbrauch der Chemie aufmerksam. In dem unermeßlichen Register, in welches Plinius die menschlichen Entdeckungen, Künste und Irrthümer niedergelegt hat, findet sich nicht die mindeste Erwähnung von den Verwandlungen der Metalle; und die Verfolgung des Diocletian ist der erste authentische Vorfall in der Geschichte der Alchymie. Die Eroberung von Egypten durch die Araber verbreitete diese eitle Wissenschaft über den Erdball. Da sie der menschlichen Habsucht schmeichelte, so wurde sie in China wie in Europa mit gleichem Eifer und mit gleichem Erfolg getrieben. Die Finsterniß des mittlern Zeitalters sicherte jeder Erzählung von Wundern eine günstige Aufnahme zu; und das Wiederaufleben der Wissenschaften belebte die Hoffnung von neuen und gab dem Betrug täuschendere Künste an die Hand.“ Leider hat die Geschichte der Chemie bis ins sechzehnte Jahrhundert keine andere als alchymistische Schriften aufzuweisen. Theophrastus, Paracelsus Bombast von Hohenheim setzte im sechzehnten Jahrhundert zu den vorigen Thorheiten noch die vorgebliche Erfindung einer Universalmedicin hinzu, und ward, ob er gleich im 48. Jahre starb, dennoch der Stifter einer Secte, die durch einen und eben denselben Prozeß sich Gold und Unsterblichkeit zu verschaffen suchte. Diejenigen unter seinen Nachfolgern, welche sich ihren Endzweck erreicht zu haben rühmten, nannten sich Adepten, und das Mittel, welches ihnen die Erfüllung ihrer Wünsche verschaffen sollte, den Stein der Weisen, so wie sie sich auch selbst den Namen Feuerphilosophen gaben. Es ist sehr zweifelhaft, ob sie je ihren Endzweck erreicht haben; keiner hat indeß mehr Wahrscheinlichkeit für sich, als derjenige, der, im Anfange dieses Jahrhunderts, dem bekannten Berlinschen Apothekerjungen Böttcher eine Tinctur gegeben, mit welcher derselbe vor verschiedenen Zeugen Zinn und Blei in Gold verwandelt hat. So viel ist wenigstens gewiß, daß man sich in den Schriften der Alchymisten keinen Rath hohlen kann, da dieselben lauter unverständliche und unauflösliche Räthsel enthalten. Die neuere Chemie hat viel schwärmerische Nebel dieser Kunst zerstreut.
Text β Conversations-Lexikon, Band 1 (1809), Alchymie
Scan γ Conversations-Lexikon, Band 1 (1809), Seite 29
Relatives
Wikipedia E de: Alchemie | de: Edward Gibbon | de: Paracelsus | de: Johann Konrad Dippel
Links F Busch, Gabriel Christoph Benjamin: Handbuch der Erfindungen, Alchymie

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